The Power of Habit und was es uns alles aufzeigt

In „The Power of Habit“ präsentiert uns Charles Duhigg eine beeindruckende Zusammenstellungen zahlreicher Geschichten, die alle die Macht der Gewohnheit (the power of habit) von einer anderen Perspektive beleuchten.

Neben den vermutlich von allen erwarteten Erzählungen zu einzelnen Personen finden sich hier auch Geschichten die ganze Organisationen und sogar Nationen umfassen. Abschließend werden sogar Situationen beleuchtet, die ganz klar zeigen, dass Gewohnheiten manchmal sehr viel stärker als wir selbst sein können.

Durch diese vielen verschiedenen Blickwinkel und die zwischendurch eingefügten Erklärungen, was das alles eigentlich zu bedeuten hat, entsteht im Laufe der Zeit im Leser ein gewisses Verständnis für Gewohnheiten. Man beginnt zu begreifen, wie allgegenwärtig sie in unserem Leben sind und akzeptiert auch, dass sie einen sehr großen Einfluss auf unser Verhalten haben.

Aber das ist nicht alles. Darüber hinaus wird einem auch ganz klar gemacht, dass man die eigenen Gewohnheiten mit viel Arbeit nach seinem Willen formen kann. Es ist vielleicht anstrengend, aber auch eindeutig möglich. Manche Gewohnheiten eignen sich vielleicht besser zum analysieren, anderen nicht so gut. Sobald man sie aber mal in ihrem Aufbau erkannt hat, ist der schwierigste Teil eigentlich schon erledigt. Jetzt geht es nur noch darum lange genug die neue Gewohnheit durchzuhalten.

Auf diese Weise entwickelt man einen Willen seine eigenen Gewohnheiten und damit sein eigenes Leben gezielt zu designen und die Macht der Gewohnheit für einen arbeiten zu lassen, nicht gegen einen.

Immerhin sind es die Gewohnheiten, die einen guten Menschen ausmachen.

The Power of Habit

In diesem Buch hat der Businessreporter Charles Duhigg einige Geschichten zur Macht von Gewohnheiten zusammengetragen, die er vorher mühevoll recherchiert und aus vielen Einzelberichten zusammengesetzt hat.

Indem er die Nacherzählungen immer wieder mit erklärenden Passagen verdeutlicht erreicht er ziemlich erfolgreich sein Ziel: dem Leser ein viel umfassenderes Bild von Gewohnheiten zu geben, als er es vorher hatte, und ihn glauben zu lassen, dass er die Macht hat seine eigenen Gewohnheiten zu gestalten.

Er endet sein Buch sogar mit der Aussage, dass die wahre Macht der Gewohnheit unsere Fähigkeit unsere Gewohnheiten zu unserem Vorteil zu gestalten ist. Und genau das ist das Verlangen, dass er durch dieses Buch in uns weckt: unsere eigenen Gewohnheiten zu unserem Vorteil zu gestalten.

Allerdings ist der Eindruck, den das Buch hinterlässt nicht ganz einheitlich.

Eindruck

Besonders da Duhigg zu Beginn des Buches vernachlässigt sein Ziel zu erläutern, das er mit diesem Buch verfolgt, ist einem im Leseverlauf öfter mal etwas unklar.

Ich persönlich hatte nämliche eine vollständigere Erklärung der Wirkungsweisen von Gewohnheiten erwartet und war dann etwas verwirrt so viele unzusammenhängende Geschichten vorzufinden. Besonders da aus der Perspektive, die ich während dem Lesen hatte, die zu den Geschichten gelieferten Erklärungen etwas sporadisch gewirkt haben. Sie kamen einfach viel seltener als gewünscht und haben dabei oft noch Fragen offen gelassen.

Das Buch dient also mehr als Startpunkt auf unserer Reise Gewohnheiten noch besser zu verstehen, was der Autor dann im Nachwort auch genau so behauptet. Wenn das von Anfang an klar wäre, könnte man es allerdings noch besser genießen.

Denn ein Genuss ist es auf jeden Fall.

Alle dargestellten Geschichten sind hervorragend erzählt und zeigen einem erfolgreich immer neue Perspektiven auf Gewohnheiten auf. Wenn man mal zurückdenkt und überlegt, in welche Szenarien man alles hinein versetzt wurde, glaubt man gar nicht, dass das alles in ein einzelnes Buch passt.

Durch dieses Eintauchen in Situationen mit besonderem Augenmerk auf Gewohnheiten wird also ein ziemlich umfassendes Verständnis an den Leser vermittelt, wo Gewohnheiten alles ihre Finger im Spiel haben. Jedenfalls umfassender als man es vorher hatte.

Und darüber hinaus wird ja wie gesagt auch die Überzeugung weitergegeben, dass man seine Gewohnheiten ändern kann. Deine Gewohnheiten sind nur dann dein Schicksal, wenn du sie lässt. Du kannst dein Schicksal praktisch verändern, wenn du dich nur anstrengst.

Und genau dazu ist man dann motiviert: seine eigenen Gewohnheiten zu überarbeiten, um ein besserer Mensch zu werden, als man es jemals für möglich gehalten hätte.

3 Teile

Im Nachhinein kann ich die Einteilung der Geschichten in verschiedene Teile etwas besser verstehen, zwischendurch dagegen kam sie mir öfter etwas fragwürdig vor. Besonders, da die Geschichten nicht immer in ihre Teile zu passen scheinen.

Jedenfalls war das ausschlaggebende Kriterium wohl das Ausmaß der beteiligten Personen: Einzelpersonen < Unternehmen < Gesellschaften

1. Gewohnheiten von Einzelpersonen

Hier wird der Themenbereich besprochen, den ich auch gestern schon beleuchtet habe: Wie Gewohnheiten funktionieren, also die Gewohnheitsschleife.

Anhand zahlreicher Geschichten wird uns gezeigt, dass der Zyklus aus Auslöser, Routine und Belohnung tatsächlich existiert und wie man ihn nutzt um neue Gewohnheiten zu bilden oder auch bestehende zu ändern.

Eine tatsächliche Anleitung, wie man seine Gewohnheiten ändern kann, wurde – ohne Erwähnung im Text dieses Teils – in den Anhang verschoben. Vielleicht wurde sie aber auch noch angehängt, damit das Buch etwas handfestes liefert, das man sofort umsetzen kann.

Dann ist auch schon der Bereich erschöpft, in dem wir normalen Menschen mit Gewohnheiten vertraut sind. Wie sich herausstellt, kann die Gewohnheitsschleife aber auf viel größere Bereiche, namhaft ganze Organisationen oder Bewegungen ausgedehnt werden, und liefert auch dann erstaunliche Einsichten.

2. Gewohnheiten von erfolgreichen Organisationen

Der Titel ist etwas irreführend. Eigentlich geht es nur im ersten Kapitel ausdrücklich, um die „Gewohnheiten“, die das Verhalten in ganzen Organisationen lenken. Diese Bezeichnung wurde so gewählt, weil sie sozusagen das Verhalten aller Angestellten lenken, beruhend auf Entscheidungen, die alle in der Vergangenheit liegen.

Anhand dieses Aufhängers wird dann diskutiert, wie bestimmte Gewohnheiten (Schlüsselgewohnheiten) die Macht haben ganze Unternehmenskulturen umzuwerfen, obwohl man ihnen das von außen betrachtet gar nicht zutrauen würde. Eine Erklärung, wie man diese Gewohnheiten in seinem eigenen Leben identifizieren kann wird leider nicht geliefert, auch wenn zumindest ihre Eigenschaften aufgelistet und ein wenig erläutert werden.

Danach wendet sich dieser Teil des Buches den Gewohnheiten zu, die einzelne erfolgreiche Leute auszeichnen und wie Unternehmen ihren Angestellten diese Gewohnheiten beibringen können.

Weiterhin wird auch beleuchtet, wie schlechte Unternehmensgewohnheiten zu großen Gefahren führen können, weil sie die gesamte Unternehmensleistung den Bach hinunter ziehen. Aber Veränderung ist möglich. Und wenn sich die Leute sträuben, muss man halt erst mal die nächste große Krise abwarten. Dann sind nämlich plötzlich alle überzeugt, dass sich etwas ändern muss.

Und schließlich wird noch erzählt, wie Unternehmen mit Hilfe von Daten, die sie über ihre Kunden sammeln ihre Einkaufsgewohnheiten vorhersagen, dementsprechend ausnutzen und sogar manipulieren können. Natürlich alles unter dem Schleier des Bekannten, damit sich niemand gruselt.

Gewohnheiten von Gesellschaften

In diesem letzten Teil werden zuerst die Gewohnheiten analysiert, die ganze Bewegungen am Laufen halten. Man lernt wie Bewegungen durch bestehende Gewohnheiten ausgelöst und später durch neue Gewohnheiten angetrieben werden.

Dann kommt aber ein verwunderliches Kapitel. Im letzten Kapitel, das auch zu diesem Teil gezählt wird, wird dann nämlich die Verpflichtung des einzelnen beleuchtet, seine Gewohnheiten zu verändern. Besonders bei Gewohnheiten, über die man, sobald sie einmal aktiviert sind, keine Macht mehr hat. Manche Gewohnheiten sind einfach stärker als man selbst.

Ganz zum Schluss im Anhang kommt dann noch eine Erklärung, wie genau man seine Gewohnheiten ändern kann, nachdem das ganze vorherige Buch noch keine handfesten Tipps geliefert hat, die man sofort hätte anwenden können.

Für eine Nacherzählung bzw. Erweiterung dieser Erkenntnisse, solltest du in den Artikeln von gestern und morgen nachschauen!

Jetzt gibt es aber erst mal eines zu tun: Lies das Buch auch und dann designe deine Gewohnheiten genau so, wie du sie gerne hättest.

Julian

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