Wie oft verfällst du dem Entspannungskonsum?

Entspannungskonsum ist eine ziemlich gefährliche Sache. Wenn du es einmal ausprobierst, kannst du es fast gar nicht mehr loslassen. Dann bist du am Angelhaken und wirst immer wieder zurückkommen. Und wir alle haben es schon mal gemacht. Je öfter man darin versinkt, desto eher wird man dorthin zurückgerufen. Die eigene Sucht nach dieser Ablenkung, verstärkt sich selbst immer mehr. Was meine ich mit Entspannungskonsum?

Ich meine die Situation, in der man etwas anstrengendes gemacht hat, vielleicht gerade erschöpft nach Hause kommt, und erst mal auf die Couch fällt und den Fernseher anmacht. Vielleicht steht man zwischendurch nochmal auf, um sich etwas zu Essen vorzubereiten. Aber dann liegt man sofort wieder da und lässt sich berieseln. Das ist einfach die einfachste Option. Alles andere, aktivere ist viel anstrengender. Man müsste sich aufraffen und die Motivation finden. Oder sich zumindest in sein Bett legen und einfach schlafen. Aber das hier ist einfacher. Die ganz Abgehärteten schlafen dann einfach trotzdem ein, während sie sich berieseln lassen.

Aber nicht nur das, Entspannungskonsum fühlt sich auch noch gut an. Du siehst spannende Dinge, für die du dich interessierst. Dein Kopf wird stimuliert und du füllst ihn mit neuen Ideen. Denkt man zumindest. Letztendlich ist einfach alles, was du auf einem Fernseher siehst, dafür optimiert, deine Aufmerksamkeit zu fesseln und nie wieder loszulassen. Du kannst gar nicht anders, als hinschauen, während er an ist. Nach ein paar mal Fernsehen zur Entspannung kannst du gar nicht anders, als Fernsehen zur Entspannung. „Du bist müde und erschöpft? Setz dich doch vor den Fernseher, das fühlt sich gut an.“, denkt sich dann dein Gehirn. Aber was ist mit Schlafen? Ist müde sein nicht normalerweise der Auslöser dafür ins Bett zu gehen? Jetzt nicht mehr. Vielleicht schläfst du sogar auf der Couch vor dem Fernseher ein und denkst dir morgen früh, wie traurig doch dein Leben geworden ist. Oder du denkst es dir nicht, weil das schon viel zu normal ist. Noch trauriger.

Und das einzige, was du dagegen machen kannst, ist deinen Fernseher aus deiner Wohnung zu entfernen. Dann den schmerzhaften Entzug aushalten und schließlich eine neue, gesunde Gewohnheit finden, die du aktivieren kannst, wenn du abends müde und erschöpft bist. Zum Beispiel schlafen gehen. Wofür braucht man schon einen Fernseher? Wenn man unbedingt mal einen Film schauen will, kann man doch auch ins Kino gehen, oder?

Besonders gefährlich ist aber, dass dein Kopf nicht dumm ist. Er ist so an die Berieselung durch den Fernseher gewöhnt, dass er sie einfach unbedingt braucht abends. Wo könnte man sich noch berieseln lassen? Ach stimmt ja, im Internet über eines der vielen anderen Geräte mit Bildschirm in deiner Wohnung. Wenn du nicht aufpasst, ist das ein endloser Kreislauf. Du willst doch nicht auch noch deinen Laptop verkaufen und dir ein Dumb-Phone zulegen. (Ein Handy, mit dem man telefonieren und SMS schicken, aber keine Apps ausführen kann.) Selbstbeherrschung ist die einzige „gute“ Option. Aber nun mal sehr anstrengend. Du brauchst einen Notfallplan: „Wenn ich das nächste Mal von dem unbändigen Verlangen überkommen werde, mich durch Fernseher oder Internet berieseln zu lassen, lege ich mich einfach ins Bett und schließe die Augen, bis das Verlangen verschwindet.“

Wenn du lange genug auf Entzug bist, beginnt das sogar tatsächlich Wirkung zu zeigen. Schon zu Beginn wirst du herausfinden, dass das Verlangen wieder weggeht, wenn du es lange genug ausgesessen hast. Mit der Zeit wirst du merken, wie es sanfter wird, weil du gelernt hast andere Dinge zu machen, wenn du Entspannung für deinen Kopf brauchst.

Ich denke übrigens immer noch, dass Schlafen hier eine phänomenale Option ist. Man kann sich als Ziel setzen, niemals inaktiver als Schlafen zu sein. Außer natürlich, man ist in einer Aktivität, die das explizit erfordert, wie zum Beispiel Meditieren oder am Strand Sonnen. Niemals inaktiver als schlafen bedeutet alles zu entfernen, wo man nur daliegt und auf einen Bildschirm schaut.

Ist sich von Musik berieseln lassen das gleiche? Ich denke nicht. Man wird dabei nicht so sehr überladen mit Reizen. Viel wahrscheinlicher genießt man für eine Weile die Entspannung und steht dann sogar wieder auf und geht etwas sinnvolles machen. Musik hören ist eine wunderbare Zweitbeschäftigung: Man macht Musik an, während man sich aktiv mit etwas anderem beschäftigt.

Aber zurück zum Schlafen. Stell dir folgende Gewohnheit vor: Du bist total demotiviert und es verlangt dich innerlich stark nach dieser Ablenkungen, die dein Email-Posteingang, dein Facebook-Feed oder eben der Fernseher verspricht. Aber dann wählst du keine von diesen Möglichkeiten, die ich eben genannt habe, sondern machst einen Power-Nap. Das wird den gleichen Effekt haben, denn letztendlich geht es dir bei diesem Verlangen um eine Pause für deinen Kopf. Was ist eine bessere Pause, als ein kurzes Nickerchen? Eigentlich nichts. Und wenn du dich an die Vorgeschriebenen 20 Minuten hältst, bist du danach sogar erfrischt und energiegeladen. Zeit die Arbeit fortzusetzen.

Immerhin ist das in unserer aktuellen Welt ja eine ziemlich seltene Fähigkeit, wenn man sich stundenlang mit einer anstrengenden Arbeit beschäftigen kann, und sich dabei vollkommen konzentriert. Bist du einer von diesen Menschen, die das können und dadurch einen enormen Vorteil haben? Oder gehörst du zu denen, die sich daran gewöhnt haben alle 10 Minuten einen kurzen Blick in ihren Email-Posteingang zu werfen? Das ist nämlich die neue Norm. Bei Anstrengung sofort eine kurze Auszeit für dein Gehirn. Natürlich mit einer Variante, die ziemlich süchtig macht.

Aber du unterschätzt dich. Mit ein bisschen Training kannst du dich locker 90 Minuten konzentrieren. Und wenn du dann eine kurze Auszeit nimmst, in der du keinen Input erhältst, bist du ziemlich schnell wieder fit für die nächsten 90 Minuten. Auf diese Weise wirst du in 3 Stunden mehr Arbeit erledigt haben, als andere an einem ganzen Arbeitstag. Überhaupt ist dieses 5 mal 8h Modell sowieso völlig ungeeignet für optimale Leistung. Aber egal, darauf gehe ich wann anders ein.

Was du hieraus mitnehmen solltest, wenn du bis hier unten gekommen bist, ist simpel: Entspannungskonsum ist sehr gefährlich. Wenn dein Kopf eine Pause braucht, dann mach einen Power-Nap oder einen Spaziergang. Aber versinke nicht in der ewigen Spirale, die sich unter dir auftut, wenn du zu oft zu Handy oder Fernseher-Fernbedienung greifst. Du schaffst das!

Hast du eine inspirierende Arbeit?

Die meisten Menschen arbeiten, weil sie Geld dafür bekommen und dieses Geld für das Leben brauchen, das sie gerne führen möchten. Und das waren dann auch schon alle Gründe. Sie machen die Arbeit, weil sie müssen, nicht weil sie es wollen. Wenn du Glück hast, gehörst du nicht zu dieser Mehrheit. Dann hast du einen Job, der dich erfüllt, an dessen Ausübung du Spaß hast. Und das ist der beste Weg seine Zeit zu verbringen: mit Aktivitäten, zu denen man von innen heraus, also intrinsisch motiviert ist. Aber wie können wir anderen das für unser Leben erreichen? Wie finden wir inspirierende Arbeit?

Dorthin gibt es sicherlich verschiedene Wege, zum Beispiel, indem man sich selbst kennenlernt und einen Beruf oder eine Beschäftigung wählt, zu der man sich berufen fühlt. Dann ist alles äußere ziemlich irrelevant. Solange du dich mit dieser Arbeit beschäftigst, bist du schon ganz von alleine inspiriert, motiviert und erfüllt. Das kommt dann aus dir selbst und nicht von deinem Umfeld. Wenn du das schaffst, bist du schon ziemlich weit gekommen.

Wir alle sollten danach streben, das in unserem Leben zu erreichen. Aber so einfach geht es nun mal nicht. Dafür muss man erst einmal wissen, zu was man berufen ist. Wenn du dich noch nicht berufen fühlst, hast du ein Problem. Natürlich kannst du dann viele verschiedene Dinge ausprobieren und dich immer näher an dieses Ziel heran-fühlen, aber wer weiß, wie lange das dauert oder ob du es jemals erreichen wirst. Vielleicht gibst du dich ja auch einfach mit einer der vorläufigen Beschäftigungen zufrieden, und erreichst nie deine Berufung und die damit verbundene Erfüllung. Und auf dem Weg dorthin fühlst du dich sicherlich auch nicht besonders erfüllt. (Außer du findest besonderen Spaß daran, Dinge herauszufinden, auszuprobieren und dich langsam und zielsicher zu einem Ergebnis vorzuarbeiten. Vielleicht ist das ja deine Berufung? Dinge erforschen und verbessern?)

Solange wir also noch nicht wissen, zu was wir berufen sind, können wir das schlecht in unserem Leben verwirklichen. Wir können lediglich darauf vertrauen, dass wir es eines Tages finden werden, wenn wir uns stets in die Richtung bewegen, die uns am meisten erfüllt.

Bis dahin brauchen wir einen anderen, besseren Zugang zu erfüllender Arbeit. Zum Glück ist eigentlich allgemein bekannt, was inspirierende Arbeit ausmacht. Du kannst die Voraussetzungen bewusst erschaffen und dadurch für dich und andere äußere Umstände errichten, die es ganz einfach machen intrinsisch davon motiviert zu werden.

Letztendlich geht es nämlich darum zu wissen, Warum man eine Arbeit macht. Auf welches Ziel läuft man zu? Wie hängt die spezifische Sache, die man gerade macht, damit zusammen? Dieses Wissen alleine gibt deiner Anstrengung einen Sinn. Dann unternimmst du sie gerne. Dann kannst du sehen, wie durch deine Handlungen das Unternehmen dem Ziel näher kommt. Und sicherlich gehst du auch über die Mindestanforderungen hinaus. Das Warum hinter deiner Arbeit zu kennen ist essentiell und Voraussetzung eins.

Die zweite Voraussetzung ist, dass dir dieses Warum auch persönlich am Herzen liegt. Es kann durchaus passieren, dass du für ein Warum arbeiten musst, dass entgegen deinen persönlichen Überzeugungen steht. Dann wirst du dich sicherlich nicht motiviert und bereitwillig dafür einsetzen können.

Verlasse diesen Job so schnell du kannst. Nutze dein Wissen um die Warums, die hinter jeder Arbeit stehen, um dir einen anderen zu suchen, der besser mit deinen Werten im Einklang steht. Noch besser, such dir ein Warum, für das du dich sowieso schon begeisterst. Wenn du das hast, bist du sozusagen bei der Situation aus dem zweiten Absatz angekommen. Wer braucht schon eine explizite Berufung, wenn er für ein Ziel arbeitet, dass ihn begeistert?

Und das war es auch schon an Voraussetzungen. Jede Arbeit, deren Warum du kennst und teilst, ist automatisch inspirierend. Jetzt musst du bloß noch schaffen, das auf dein tägliches Leben anzuwenden.

Auf der einen Seite steht da der Arbeitgeber. Er muss das Unternehmen auf ein Warum ausrichten, dem er selbst und seine Mitarbeiter sich gerne verschreiben. Er muss dieses Warum klar kommunizieren. Und er muss seinen Mitarbeitern dabei helfen, die Verbindung von ihren Arbeitspaketen zum großen Ganzen zu sehen. Erst dadurch überträgt sich schließlich die inspirierende Wirkung großer Ziele auf die Aktivitäten vor deiner Nase.

Und auf der anderen Seite steht jeder Arbeitnehmer. Jeder ist selbst dafür verantwortlich zu verstehen, warum es wichtig ist, was er tut. Eine Erklärung zu suchen, wenn er sie noch nicht kennt. Sich die Dinge auszuwählen, bei denen ihm das am klarsten ist. Am besten ist es, wenn man durch das Durchführen dieser Aktivitäten einen klaren Fortschritt auf das Ziel zu sehen kann. So wird ihr Sinn noch offensichtlicher, sogar wenn der Fortschritt nur klein ist.
Und natürlich sollte man auch seinen Kollegen und Freunden dabei helfen den Sinn in ihrer Arbeit zu sehen. Ist das nicht ein tolles Geschenk? Die Arbeit eines anderen inspirierend machen.

Wenn du aufmerksam gelesen hast, ist dir bestimmt noch eine weitere Idee gekommen, wie du die inspirierende Wirkung großer Ziele noch besser auf die kleinen Aufgaben übertragen kann: man bricht das große Ziel in kleiner Ziele herunter. Unterziele, die zusammen das große Ziel ergeben. Meilensteine, von denen klar ist, dass sie einen wichtigen Schritt, auf dem Weg zu diesen (Unter-)Zielen darstellen. Noch kleinere Aspekte der Meilensteine, die man sich Schritt für Schritt vornehmen kann.
So kann man in seiner täglichen Arbeit offensichtliche Fortschritte bezüglich eines wichtigen Meilensteins auf dem Weg zu diesem inspirierenden Ziel machen. Im Großen und Ganzen ist der Schritt vielleicht immer noch recht klein, aber viele kleine Schritte bringen dich trotzdem ans Ziel.

Also mach dich auf den Weg. Geh den ersten Schritt und finde das große Warum, das über deiner Arbeit steht, oder das große Ziel, dem du dich verschreiben möchtest. Definiere es ganz klar, sodass du geradezu vor Freude glühst, wenn du es aussprichst. Und dann geh gleich den zweiten Schritt. Baue die Brücke von deinem Warum zu den kleinen Dingen, die jetzt und heute machen wirst. Finde den Sinn in deinen alltäglichen Aufgaben, indem du sie mit dem inspirierenden Ziel verknüpfst, das dich antreibt. Denn das ist, was inspirierende Arbeit ausmacht: ein Sinn.

Welche Rolle hast du in welcher Situation?

In jeder sozialen Interaktion hast du eine Rolle. Büchermensch, Klassenclown, der Verantwortungsvolle sind nur ein paar wenige Beispiele, die sogar allgemein anerkannte Namen bekommen haben. Natürlich gibt es noch viel mehr. Ungefähr doppelt so viele wie soziale Interaktionen, in denen dann die Rollen gebraucht werden.

Vielleicht verändert sich deine Rolle auch im Laufe der Interaktion, aber das ändert nichts an ihrer Wirkung: Normalerweise bist du dir nämlich genau bewusst, welche Rolle du gerade inne hast. Du bemühst dich darum, sie korrekt zu erfüllen. Du bist überzeugt, dass der andere in dir auch diese Rolle sieht. Zumindest hast du selbst eine klare Vorstellung von der Rolle des anderen. Aber deckt sich das mit seiner Überzeugung zu seiner Rolle? Vielleicht nicht und manchmal kann man das auch merken. Genauso hat auch der andere sicherlich eine Vorstellung zu deiner Rolle, die sich nicht zu 100% mit deinem eigenen Empfinden deckt.

Aber selbst darauf will ich gar nicht hinaus. Mir ist wichtig aufzuzeigen, dass wir uns durch diese Rollen einschränken lassen. Selbst wenn wir sie gerne innehaben, ist das trotzdem ein Problem: Sie bestimmen doch ganz klar, was wir machen dürfen und was nicht, und wir halten uns nun mal daran. Sobald du mal darüber nachdenkst, wirst du bemerken: das ist eine ziemlich starke Einschränkung. Außerdem wirst du bemerken, wie oft du dir überlegst etwas zu machen, diesen Gedanken aber wieder fallen lässt, weil er nicht zu deiner aktuellen Rolle passt.

Wie viel hast du auf diese Weise schon verpasst im Leben? Was könnte alles cooles und spannendes passieren, wenn du doch mal einer solchen Eingebung folgst, auch wenn sie gar nicht zu deiner Rolle passt? Warum probierst du es nicht aus? Es wird von niemandem eingefordert, dass du dich an deine Rolle hältst! Diese Einschränkung ist komplett selbst-auferlegt. Selbst wenn du verwirrte Blicke deines Gegenübers erhältst, der selbst noch nie aus seiner Rolle ausgebrochen ist, ist es das sicherlich wert gewesen.

Wenn du es mir nicht glaubst, probiere es mal aus. Die Schranken deiner Rolle zu spüren kann sehr beruhigend sein. Du weißt mehr oder weniger genau, was du machen sollst. Aber ohne die Schranken, spürst du die Freiheit. Du kannst dich ehrlich und authentisch ausdrücken. Du kannst auch das machen, was du machen willst, anstatt nur das, was du machen darfst. Glaub mir, das solltest du dir nicht entgehen lassen.

Grundsätzlich sollten wir uns sowieso nicht mehr so stark von unseren Rollen einschränken lassen. Dieses Gefühl für die eigene aktuelle Rolle und die darin angemessenen Handlungen, ist natürlich sehr hilfreich. Es lässt dich die Auswirkungen deiner Handlungen abschätzen, egal ob sie innerhalb der Rolle liegen oder nicht. So kannst du dir vorher überlegen, ob du das tun willst. Ob die Konsequenzen es wert sind und du mit ihnen leben kannst. Ob die Konsequenzen vielleicht genau das sind, was du gerade erreichen willst. Ohne dieses Gefühl dafür was deine Rolle dir erlaubt und warum, könntest du solche Fragen gar nicht beantworten. Sei dankbar dass es existiert, aber lass dich nicht von der Angst deine Rolle zu verletzen einschränken.

Nichts anderes ist das nämlich, wenn man sich von seiner Rolle einschränken lässt: Man hat Angst davor sie zu verlassen. Was wäre die neue Rolle, die man dann bekommt? (Du wirst immer eine Rolle haben, am Anfang verstehst du sie vielleicht selbst nicht so gut ;)) Wie reagieren die anderen, wenn du etwas so ungewöhnliches machst? Kommen sie mit soetwas unerwartetem klar und können es mit Offenheit annehmen? Solche sozialen Ängste kennt jeder. Der große Unterschied ist, ob du dich von ihnen bestimmen lässt oder trotzdem handelst. Also wo stehst du: Hast du Mut trotz sozialer Ängste? Oder bleibst du für immer in deinen Rollen gefangen, die dir mehr oder weniger vom Zufall zugeteilt wurden?

Okay, ganz so schlimm ist es nicht. Die Rollen werden vielmehr durch den Kontext der Interaktion und ihre ersten paar Sekunden festgelegt. Wie war der erste Eindruck, den die andere Person von dir gewonnen hat? Wie ist dein erster Eindruck von ihr? Und wie sieht dementsprechend die Machtverteilung aus? Das ist genauso wichtig, wie dein oder ihr Anliegen, das den Kontext bestimmt. Du hast sehr wohl einen gewissen Einfluss darauf, welche Rolle du hast.

Sorge dafür, dass du eine Rolle hast, die du gerne inne hast.

Aber werde auch nicht zu zufrieden damit. Zufriedenheit lässt dich stagnieren. Man muss unzufrieden sein, um Fortschritt zu erreichen. Du musst unzufrieden mit deiner Rolle sein, um etwas neues zu machen. Erst dadurch erhältst du eine neue Rolle, denn du kannst niemals keine Rolle haben. Aber das ist auch nicht schlimm. Deine neue Rolle kann viel größere Freiheiten, einen viel größeren Einfluss haben, als deine alte. Und wenn dir das nicht mehr reicht, kannst du wieder in einer neuen Richtung aus deiner Rolle ausbrechen. Damit veränderst du das Bild aller von dir, sogar dein eigenes, und schon entsteht eine neue Rolle. Du hast sogar ein kleines bisschen Zeit die Form dieser Rolle zu bestimmen. Was machst du in den ersten paar Sekunden, Minuten, nach erschaffen der neuen Rolle? Das bestimmt, was andere von dieser Rolle erwarten.

Also nimm dein Schicksal in die Hand. Du hast jetzt die Möglichkeit dazu, denn du weißt, wie simpel man seine Rolle ändern kann: Man macht genug, das nicht in die Rolle passt und schon bekommt man eine neue zugeteilt. Dann hat man noch ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung, in dem man die genauen Erwartungen beeinflussen kann, die andere (und auch du selbst) an diese Rolle haben werden. Und dann ist sie erst mal in Stein gegossen. Aber du kannst ja die Grenzen ja wieder durchbrechen, sobald es Zeit für etwas neues ist!

Und das ist der Weg sein Leben zu beeinflussen. Die Rolle, die du spielst, ist das Schicksal, das dich erwartet. Ändere die Rolle, spiele eine neue Rolle, die es vielleicht noch nie gegeben hat, und du änderst damit dein Schicksal. Womöglich kann sogar niemand voraussagen, was dein Schicksal sein wird. Du kannst es selbst durch deine Handlungen bestimmen. Also lass dich nicht einschränken, sondern zeige der Welt, wer du wirklich sein willst!

echte Freundschaften halten ewig

Die allermeisten echten Freundschaften, halten ewig. Sie überdauern ein ganzes Leben. Vielleicht sieht man sich mal für eine Weile seltener, aber trotzdem kann sie immer wieder angekurbelt werden, wenn man sich mal wieder sieht. Auch in Separation fühlt man sich immer noch verbunden, denkt positiv an den anderen und freut sich über jeden Kontakt. Eventuell schreibt man sogar mal einen Brief, wenn man sich denn so altmodisch fühlt. Generell, es ist einfach echt toll soetwas zu haben.

Aber was meine ich denn mit einer solchen „echten“ Freundschaft. Es gibt doch genug Freundschaften in unserem Leben, deren Abwesenheit man nicht mal bemerken würde, wenn sie zu Ende gehen. Man hat sich vorher gelegentlich gesehen und ganz gut verstanden, und jetzt eben nicht mehr. Die Welt dreht sich völlig unverändert weiter. (Sogar für dich. Denn dann ergibt diese Redewendung erst Sinn. Die Welt dreht sich immer weiter, sogar bei einem Asteroideneinschlag. Aber für dich persönlich kann sie aus der Bahn geraten. Zum Beispiel wenn jemand stirbt, dem du nahe standest.)

Diese Freundschaften werden nur neuerdings überhaupt als Freundschaft bezeichnet. Man ist mit diesen Leuten eben auf Facebook befreundet, dass berechtigt sie zu der Bezeichnung Freund, anstatt Bekannter. Aber mehr als Bekanntschaften sind das trotzdem nicht. Man hat sie nie wirklich kennengelernt. Was ihnen wichtig ist. Welche Träume sie für die Zukunft haben. Wieso sie heute hier sind. Und so weiter. Das weißt du alles nicht. Vieles davon weißt du ja nicht mal über deine besseren Freunde. Aber damit es eine echte Freundschaft wird, solltest du soetwas sehr wohl wissen.

Wenn zählst du zu deinen besten Freunden, von dem du nicht einmal weißt, was seine wichtigsten Werte sind? Welche Träume er für die Zukunft hegt? Und all diese Dinge? In meinen Augen kann sich erst dann eine echte Freundschaft entwickeln, wenn man sich gegenseitig so gut kennt, dass man sich zumindest ansatzweise versteht. Man kann natürlich auch eine gute Zeit zusammen haben, ohne sich zu verstehen. Aber eine Bindung der Seelen entsteht garantiert erst mit und durch dieses Verständnis.

Wenn du das also bisher versäumt hast, lerne deine Freunde kennen. Verstehe, was sie antreibt, wie sie die Welt sehen und was sie sich für die Zukunft wünschen. Erfahre mehr über sie, als du über dich selbst weist. Dann wirst du sie besonders zu schätzen lernen und diese Wertschätzung auch ausdrücken können. Und das ist es letztendlich, was diese Freundschaften so dauerhaft macht: das gegenseitige Wissen um die Wertschätzung darin. Selbst wenn man sich mal streitet, selbst wenn man für lange Zeit an verschiedenen Orten der Welt lebt, kann man doch immer wieder zusammenfinden.

Und das macht diese Freundschaften so wertvoll. Wenn du sie hast, solltest du sie beschützen und wertschätzen. Wenn du eine Möglichkeit für eine solche Freundschaft siehst, solltest du sie verwirklichen. Wenn sie zerbricht, hast du einen Grund zum trauern. Denn trotz allem können solche Freundschaften auch wieder zerbrechen.

War das dann keine echte Freundschaft, wenn man sich unwiderruflich zerstreitet? Ist es sozusagen nur eine Illusion gewesen, sich vorher in einer echten Freundschaft befunden zu haben, die ewig dauern wird? Ich denke nicht. In meinen Augen hat man davor tatsächlich eine Freundschaft gehabt, die ewig hätte andauern können. Vermutlich hat man sich hervorragend verstanden und ständig gesehen. Und dann haben sich eben die Überzeugungen in verschiedene Richtungen entwickelt. Es ist vielleicht ein bisschen unreif, diese Freundschaft durch zerstreiten gleich negativ zu beenden/pausieren. Aber die Gründe sind klar verständlich: Der eine kann dann nicht mehr mit dem anderen Zeit verbringen, solange er gewisse Überzeugungen vertritt. Besser wäre es man verabschiedet sich auf neutralem Grund, womöglich in Erinnerung an die tolle Zeit zusammen. Denn das ist was man in Erinnerung behalten sollte, wofür man dankbar sein sollte, ohne ihr hinterher zu trauern: die Zeit, in der man so toll befreundet war.

Und gleichzeitig ist das der einzige richtige Tipp, wie du mit deinem Leben umgehen solltest: Du musst die Zeit, die du mit bestimmten Menschen verbringst, einschränken, vielleicht sogar einstellen. Das sind dann Menschen, die dich in eine Richtung ziehen, die du nicht möchtest. Wir alle werden schließlich von den Menschen beeinflusst, mit denen wir Zeit verbringen. Umso mehr, je öfter wir uns in ihrer Gegenwart aufhalten. Sobald du mal darauf achtest, wirst du es bemerken. Das ist ein unglaublich faszinierender und zugleich erschreckender Effekt. Man erkennt, dass man sich selbst unbedingt schützen sollte, indem man ganz klar entscheidet, mit wem man Zeit verbringt und mit wem nicht.

Allerdings brauchst du dir keine Sorgen machen. Deine echten Freundschaften fallen sicherlich in den inneren Bereich. Normalerweise teilst du mit diesen Leuten schließlich Werte, die beiden sehr wichtig sind. Andernfalls wärt ihr doch nie so gute Freunde geworden, oder?

Nun ja, wenn soetwas zu Ende geht, ist das natürlich schade. Aber es ist definitiv nicht der Normalfall. Normalerweise halten solche Freundschaften ewig. Man kann sich sein ganzes Leben daran erfreuen immer jemanden zur Hand zu haben, mit dem man eine tolle Zeit verbringen kann. Man braucht sich bloß zu melden, schon wird ein Auffrischungstreffen ausgemacht, wenn man sich schon eine Weile nicht mehr gesehen hat. Vielleicht kann man sogar eine ganze Gruppe der besten Freunde gründen, die über Jahre bestehen bleibt. (Auch wenn hier natürlich die Wahrscheinlichkeit eines Konfliktes zunimmt, was sie wieder in zwei Hälften teilen kann.)

Das hier liegende Potential für wunderbare Erlebnisse ist endlos. Sei dankbar, wenn du schon ein Teil solcher Freundschaften bist. Erschaffe noch weitere davon. Du hast sicherlich noch die eine oder andere Person in deinem losen Freundeskreis, mit der sich soetwas entwickeln könnte. Also worauf wartest du?

Erzähle deinen echten Freunden, wie wichtig sie dir sind! Erschaffe echte Freundschaften mit noch weiteren Menschen in deinem Leben! Hab eine gute Zeit. Und keine Sorge. Diese Freundschaften halten eine ganze Weile. Selbst wenn ihr in unterschiedlichen Ländern lebt, sind sie nur vorübergehend pausiert. Sobald ihr mal wieder die Gelegenheit dazu habt ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen, wird die Freundschaft sofort wieder erweckt. Und das ist echt toll. Wie viele Menschen kannst du einfach anrufen und dann eine tolle Zeit mit ihnen verbringen, egal wie lange es schon her ist? Wie viele echte Freundschaften hast du in deinem Leben schon gegründet?

Quiet hebt einen Schleier von deinen Augen

„Quiet“ von Susan Cain thematisiert ein unglaublich wichtiges Thema: das falsche Bild, das wir von introvertierteren Menschen haben, die Bevorzugung, die unser System extrovertierteren Menschen zuteil werden lässt, und wie es eigentlich ist. Nämlich das Introvertiertere ihre eigenen Stärken haben und eine ebenso wichtige Rolle für unsere Gemeinschaft spielen. Sie werden bloß leichter übersehen, weil die meisten von ihnen nicht so stark auf sich aufmerksam machen.

Und das hat letztendlich eine ziemlich einfache Ursache: deine Sensitivität gegenüber der Außenwelt. Introvertierte sind viel sensibler und überladen deshalb in stark stimulierenden Situationen schnell. Selbst wenn sie es für ein paar Stunden aushalten, müssen sie sich danach erst mal ausruhen, weil nur so ihre inneren Batterien wieder aufgeladen werden können. Extrovertierten geht es genau anders herum: sie werden durch solche turbulenten Umgebungen geradezu energetisiert: alles andere ist eben zu langweilig. So zumindest die ganz grobe Zusammenfassung.

Das Wissen um die zwei Enden dieses Spektrums auf dem wir alle uns befinden, bereichert dein Leben enorm: Du kannst dich selbst besser verstehen und dich auf eine Weise verhalten, die viel gesünder für dich persönlich ist. Du kannst auf andere Rücksicht nehmen und sie vor allem verstehen, auch wenn ihre Welt anders funktioniert, als die deine. (PS: Das ist übrigens überall so. Jeder Mensch ist anders. Das macht es doch eben erst interessant. Wie lassen sich die Erkenntnisse übertragen?) Du kannst Frieden mit dir selbst finden.

Wenn du das Buch „Quiet“ liest, wirst du immer wieder mit den verschiedensten Beschreibungen einzelner Menschen und Persönlichkeitseigenschaften in Berührung kommen. Du wirst vieles wiedererkennen, das du auch bei anderen Menschen in deinem Leben bereits beobachtet hast. Noch mehr wirst du in dir selbst wiederfinden. Das bringt dir eine unglaubliche Menge Selbsterkenntnis. Es ist gar nicht so häufig genau beurteilen zu können, was die Aspekte deines Tages sind, die dich mit Energie aufladen, und welche es sind, die dich anstrengend. Du erlangst wissen über Details deiner Vorlieben, und warum sie dir liegen. Und noch vieles weiteres. Allein deshalb solltest du dir das schon nicht entgehen lassen.

Und über die unglaubliche Ladung Selbsterkenntnis hinaus erlangst du durch das Lesen von „Quiet“ auf einen gewissen Respekt vor introvertierten Menschen. Du hast sie vielleicht bisher nicht so häufig bemerkt, aber sie können viele Dinge viel besser als die Leute, die mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen und dadurch viel leichter bemerkt werden, einfach, weil das ihre Art ist. Es ist einfach absolut empfehlenswert.

Quiet bleibt unbemerkt

..geht dabei in dreieinhalb Teilen vor. Zuerst wird erklärt, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass wir heutzutage extrovertiert sein so sehr schätzen, wie wir es tun. (Im dritten Miniteil wird aufgezeigt, dass in großen Teilen Asiens das Gegenteil der Fall ist.) Es gibt doch auch unzählige andere Attribute, die man besonders hervorheben könnte. Die charismatische, kontaktfreudige Person ist einfach viel sichtbarer in allen unseren modernen Medien und auch in deinem täglichen Kontakt mit Menschen. Wenn du nicht aufpasst, übersiehst du vielleicht die anderen, die es auch noch gibt. Besonders, da ziemlich viele der bis zu 50% introvertierten Menschen auf der Welt ziemlich gut darin sind, das zu verstecken, während sie im Freien unterwegs sind. Erst daheim sinken sie dann erschöpft auf die Couch und du bekommst es gar nicht mit.

Außerdem ist der charismatische Anführer, CEO, oder Was auch immer einfach das typische Ideal für Menschen in einer leitenden Person. Interessanterweise kann es aber geradezu schlecht für die direkt unter diesem „Idol“ arbeitenden Personen sein, wenn er so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, so sehr präsent ist. Vielmehr wird in diesem Kapitel klar aufgezeigt, dass introvertierte Chefs mit einer verstärkten Eigeninitiative der Mitarbeiter korrelieren und damit womöglich sogar noch bessere Ergebnisse erzielen, als die, die immer alle motivieren.

Und schließlich auch noch in diesem Teil des Buches: die Sache mit dem Gruppen-Brainstorming. Hier hat man erwiesenermaßen viel schlechtere Ideen, als wenn man sich einfach alleine an das Problem setzt. In Gruppen schließt man sich einfach viel zu leicht schon gegebenen Meinungen an und die Extrovertieren sprechen oft zuerst. Pech für alle anderen.

Quiet ist angeboren?

Ist deine Persönlichkeit angeboren oder entwickelt sie sich im Laufe der Zeit? Solltest du danach streben dich zu verändern oder eher die beste Umgebung für deine ganz persönlichen Vorlieben zu schaffen. Die richtige Antwort ist vermutlich ein Mittelweg dazwischen. Man sollte sowohl sich selbst kennenlernen und Rücksicht auf diese Eigenschaften nehmen. Darüber hinaus kann man aber auch eine unglaubliche große Bandbreite an Dingen lernen. Nur weil du dich bisher mit etwas schwer getan hast, heißt das ja nicht, dass du es niemals können wirst. Du kannst es sicherlich lernen und sogar gut darin werden. Willst du das? Wenn ja solltest du es versuchen.

Wie fast immer ist es übrigens eine Mischung der verschiedenen Meinungen, die sich letztendlich zu bewahrheiten scheint. Auf der einen Seite stehen ja diejenigen, die Argumentieren, dass genetisch jegliche Charaktereigenschaft prädestiniert ist. Auf der anderen Seite diejenigen, die die Ursachen für den heutigen Zustand in der Umgebung sehen, wodurch sich mit der Zeit auch noch vieles Verändern wird. Beides, sowohl deine Gene, als auch die Umwelt spielt nun mal eine Rolle. Konzentriere dich auf die Umwelt, wenn du einen Einfluss darauf nehmen willst, wie es dir geht, was du kannst, wie du mit der Welt interagierst.

Wie stille Menschen das Leben navigieren können

Das ist jetzt der vierte Teil und der spannendste Aspekt des ganzen Buches. Hier kann man lernen, wie man mit solchen Menschen hervorragend zurechtkommt, wie man solche Kinder richtig fördern kann, wie man selbst besser die Welt navigieren kann.

Wenn du darüber allerdings näheres wissen willst, solltest du das Buch selbst lesen. Es kann dir diese sehr relevanten Themen viel besser vermitteln, als ich in diesem kurzen Artikel überhaupt die Zeit habe. Also worauf wartest du? Lies dieses phänomenale Buch!

PS: als Nachfolgeband hat die Autorin das Buch „Quiet Power“ veröffentlicht, das jungen Menschen beibringen will, wie man als introvertierter Mensch unsere extrovertierte Welt navigieren kann. Es hört sich jedenfalls sehr spannend an und ich werde es hier auch vorstellen, sobald ich es gelesen habe. Also bis dann!

Wie gut kannst du (aktiv) zuhören?

Zuhören ist etwas, das wir scheinbar jeden Tag machen. In jeder Unterhaltung kommt es zum Einsatz. Vielen anderen Klängen und Aussagen hören wir auch einfach nur so zu, ohne etwas zu antworten. Und doch können das nur die wenigsten: wirklich richtig zuhören. Aktiv zuhören wird es manchmal genannt und es ist der Unterschied zwischen Hören und Zuhören, der letztendlich relevant ist.

Wie hören eine Menge Dinge, wenn der Tag lang ist. Sogar gerade eben treffen vermutlich die verschiedensten Geräusche dein Ohr. Aber du blendest sie aus. Du hörst sie zwar, aber du hörst ihnen nicht zu. Deine Aufmerksamkeit liegt woanders. Zuhören bedeutet, deine Aufmerksamkeit direkt auf das gesagte zu richten oder die Person, die es sagt. Dabei kannst du nicht an etwas anderes denken oder eventuell sogar schon deine Antwort zurechtlegen.

Und doch ist das der Standardmodus der meisten Menschen, wenn sie noch darauf warten müssen, dass der andere ausgesprochen hat. Studien zeigen, dass der normale Abstand zwischen zwei Aussagen, die von verschiedenen Partnern im Gespräch getroffen werden, durchschnittlich so kurz ist, dass man gar keine Zeit hatte die letzten Worte des anderen bewusst zu registrieren. Man hat lediglich das Ende seiner Aussage gespürt und hat sofort seinen Satz in die Welt gesetzt, der einem schon so lange auf der Zunge lag. So kommt man dann auch mal zum Wort und kann etwas sagen, Juchhu. Aber letztendlich sollte das doch niemals das Ziel sein, das du mit einer Unterhaltung verfolgst.

Verständnis

Das Ziel einer Unterhaltung ist immer die andere Person zu verstehen. Nicht nur die Worte zu hören, die sie ausspricht. Sondern verstehen was sie damit sagen will und warum sie das sagen will. Auf der Ebene darunter vielleicht auch wie es ihr geht und was ihr wichtig ist. Das alles und noch viel mehr kann man alleine durch zuhören erfahren. Aber nicht, indem man während der andere spricht darüber nachdenkt, was es zu bedeuten hat. Vielmehr sollte man seine Gedanken völlig ausschalten, während man wirklich aufmerksam zuhört und sich in den anderen hinein versetzt. Dabei bleibt sowieso keine Aufmerksamkeit mehr übrig, die man für etwas anderes wie zum Beispiel Analyse aufbringen könnte. Wenn man sich unbedingt damit beschäftigen will, kann man das ja im Nachhinein daheim machen, wenn man über seinen Tag reflektiert.

Um Verständnis für die andere Person zu entwickeln ist eigentlich nur das aufmerksame zuhören wichtig. Man muss das hören, was sie sagt, nicht das, was man denkt, dass sie sagen wird. Man muss sich in ihre Lage und Geschichte hinein-versetzen. Wenn du es richtig machst, spürt der andere deine intensive Aufmerksamkeit. Und in unserer modernen, abgelenkten Welt ist das eines der besten Geschenke, die du jemandem machen kannst. Wie oft gibst du dieses Geschenk der absoluten Aufmerksamkeit?

Zuhören ist ein Geschenk

Wenn du wirklich aufmerksam zuhören kannst und es auch tust, gehörst du zur absoluten Minderheit. Psychotherapeuten sind darin ausgebildet, alle übrigen haben es irgendwie so gelernt. Aber eines ist ganz klar: Wirklich zugehört bekommen, sodass man das Gefühl hat verstanden zu werden, ist wirklich selten und gleichzeitig unglaublich befreiend, heilsam, therapeutisch.

Jeder Mensch sollte lernen aktiv zuzuhören. Sich also wirklich dafür zu interessieren, was andere zu sagen haben und wie man sie am besten verstehen kann. Genauso wie man lernen sollte in Gedanken an dem Ort zu sein, an dem man sich gerade beschäftigt. Bei der Sache, um die man sich gerade kümmert. Bei den Menschen, mit denen man Zeit verbringt.

All das ist neuerdings ein wahres Geschenk geworden. Es ist ja so schon unglaublich leicht an seine Sorgen zu denken, die einen an einem anderen Ort seines Lebens belasten. Heutzutage kann man auch noch sehr einfach mit weit entfernten Menschen kommunizieren und die neusten (und für dein Leben völlig irrelevanten) Nachrichten aus ganzer Welt hören/lesen/… Dass man da im Kopf oft an einem völlig anderen Ort ist, wie mit dem Körper ist natürlich verständlich. Nett ist es trotzdem nicht. Wenn man sich schon die Mühe macht, sich mit jemandem zu treffen, einen Ort aufzusuchen oder einfach nur eine Arbeit zu beginnen, kann man doch so respektvoll sein, sich jetzt auch im Kopf auf sie einzulassen. Dieses Geschenk sollte man den ganzen Tag über so vielen Leuten wie möglich machen, besonders denen, die einem wirklich am Herzen liegen. Und es spricht doch auch nichts dagegen.

ein Fokus auf andere

Deine Aussage wird doch nicht besser, weil du sie schon die letzten 5 Minuten im Kopf geübt hast. Vielmehr geht sie dann völlig an der Aussage des anderen vorbei, weil du komplett verpasst hast, was er eigentlich gesagt hast. Das stößt ihn vor den Kopf und er wird es sich in Zukunft zweimal überlegen, ob er sich dir gegenüber öffnen soll. Stellt dir vor, was du alles hättest über ihn lernen können. War dieser Preis wirklich gerechtfertigt, nur um sofort nach dem Ende seiner Aussagen mit deinen Punkten zu starten?

Es ist doch nicht schlimm, wenn du erst noch kurz überlegst, bevor du etwas antwortest. Vielmehr ist das ein ganz klares Zeichen, dass du vorher aktiv zugehört hast, und eben nicht schon an deiner Antwort gefeilt hast, während der andere noch redet. Es ist also ein Kompliment, wenn eine kurze Gesprächspause eintritt, während du deine Antwort oder zumindest ihren Beginn formulierst. Es kommuniziert: Mein Fokus ist nicht nur auf mich gerichtet. Mein Fokus liegt auf dir, vor allem, wenn du sprichst.

Und das ist eine sehr wichtige Lebenseinstellung, die dich ziemlich weit bringen kann. Allein schon wenn du es schaffst dich selbst nicht als Nabel deiner kleinen Welt zu sehen, öffnet das deine Augen gegenüber zahlreicher Dinge, die dein Leben bereichern können. Darüber hinaus ist es zentral die Menschen in deinem Leben wirklich zu verstehen. Viel zu oft hat man für lange Zeit mit ihnen zu tun, ohne sich jemals dafür zu interessieren, was ihnen den wirklich wichtig ist und was sie im Leben erreichen wollen. Wie es ihnen heute und ganz allgemein geht und wofür sie sich noch interessieren. Was sie sich wünschen und wie man ihnen helfen kann.

Probier es mal aus. Du verschließt dir selbst den größten Teil deiner Welt, wenn du anderen nicht aktiv zuhören kannst. Beginne am besten jetzt gleich damit!

Brauchst du auch schon eine Freizeit-Queue?

Je mehr man in seinem Leben vorhat, plant mit seiner beschränkten Zeit zu machen, desto stressiger wird das ganze. Man will nichts vergessen, trotzdem nur eine Sache gleichzeitig machen und dann irgendwann zwischendurch auch noch ein bisschen Entspannung finden. Ich bin definitiv inzwischen soweit, dass ich dafür eine Freizeit-Queue brauche. Vielleicht werde ich sie aber irgendwann auch wieder aussetzen. Mal sehen, wie sich der aktuelle Ansturm an Freizeitaktivitäten, die ich unbedingt verfolgen will, entwickelt. Aber jetzt erst mal einen Schritt zurück. Was meine ich mit einer Freizeit-Queue?

Zuerst einmal zur Queue: Das ist das englische Wort für Schlange, wie man sie zum Beispiel an Kassen findet. Aber irgendwie mag ich es einfach mehr als das Deutsche, und da es in der Informatik, wo die hier gemeinte Bedeutung herkommt, auch englisch bezeichnet wird, schließe ich mich dem einfach an. Eine Queue ist letztendlich eine einfache Liste, aus der man immer nur das erste Element herausnehmen darf und an die man immer nur ganz hinten etwas anhängen darf. Das nennt sich auch das FIFO-Prinzip. (First in, first out – was als erstes aufgenommen wurde, wird auch als erstes bearbeitet. Löschen ist hier übrigens an jeder Stelle erlaubt.)

Unsere Freizeit-Queue beschreibt also eine Technik, mit der man seinem Freizeit-Stress Einhalt gebieten kann. Man fügt einfach jede einzelne Sache hinten an, die man noch machen will, und kann sich dann sicher sein, dass sie tatsächlich gemacht wird, wenn man denn irgendwann dort ankommt. Und wenn du diese Liste einfach aufschreibst, musst du all diese Dinge nicht mehr im Kopf herumtragen, was ihn frei für wichtigeres macht und auch dafür sorgt, dass du sie nicht aus Versehen vergisst. Selbst wenn dir etwas entfallen sollte, wirst du ja doch wieder daran erinnert, wenn du in der Queue bis zu der Sache vorgerückt bist.

Jetzt musst du dich nur noch dazu überwinden tatsächlich ein solches System zu benutzen. Die ersten paar Vorteile, hast du ja schon erkannt, aber lohnt sich wirklich der Aufwand, alles untereinander auf einen Zettel zu schreiben und immer nur das oberste machen zu dürfen? Je nachdem, wie viel du noch vorhast, kann das ziemlich lang werden. Und sobald dir dann noch 5 Sachen einfallen, die du unten anhängst, brauchst du ja fast schon einen neuen Zettel. Es ist also Zeit für ein paar Verbesserungsvorschläge.

Vielleicht braucht man zuerst mal eine Maximallänge für diese Freizeit-Queue, deren Regeln besagen, dass man all diese Dinge, die darauf stehen, tatsächlich machen wird. Verbunden mit einer zweiten Ablage, womöglich der Bucket-List, kannst du so trotzdem immer noch alles aufschreiben, was du mal machen wirst, beschränkst dich aber auf die wichtigsten Dinge, wenn du deine Zeitverwendung der näheren Zukunft planst. Denn genau ist das ja, wenn du etwas in deine Freizeit-Queue aufnimmst: eine Verpflichtung vor dir selbst, diese Sache zu machen, sobald du in der Queue bis an diese Stelle gekommen bist. (Wenn du dann aber doch keine Lust mehr hast, kannst du es ja immer noch löschen.)

Und wenn du dann diese Queue mal auffüllen willst, ohne dich direkt zu irgendwas inspiriert zu fühlen, kannst du ja mal auf deiner Bucket-List nachschauen, was du schon immer mal machen wolltest.
Aber auch hier sollte es Regeln geben. Was darf alles auf deine Bucket-List? In meinen Augen nur Dinge, die dir wirklich wichtig sind, die du tatsächlich irgendwann mal machen willst in deinem Leben. Bei allen anderen Kleinigkeiten solltest du einfach ehrlich zu dir selbst sein: Du wirst sie doch sowieso nie machen. So wichtig sind sie dir nicht und du hast viel zu viel anderes vor. Da kannst du die Vorstellungen auch einfach fallen lassen, die eben noch deinen Kopf erfüllen.

An diesem Punkt angelangt, ist das benutzen der Freizeit-Queue eigentlich ziemlich simpel. Da ja jetzt etwas darauf steht, kann man einfach die oberste Sache nachschauen, sobald man mal wieder Freizeit hat, die „verbraucht“ werden will, und sie durchstreichen, sobald sie erledigt ist. Ganz egal, ob das jetzt in einem Durchlauf passiert ist, oder ob man schon zum dritten Mal daran weiter macht. Sobald es eben fertig ist, wird es aus der Schlange genommen und man darf sich dem nächsten zuwenden.

Wichtig ist noch, dass bei dieser „Freizeit, die verbraucht werden soll,“ tatsächlich nur echte Freizeit gemeint ist, für die noch nichts festes geplant ist. Wenn du irgendwelche Termine hast, haben sie Vorrang. Wenn du irgendetwas mal außerhalb der Queue machen willst, mach dir einen Termin.

Noch etwas, das du mit der Zeit über eine Freizeit-Queue lernen wirst: Was auch immer wieder mal sein kann, und was auch durchaus so beabsichtigt ist, ist, dass man nach einer Weile eigentlich doch keine Lust mehr auf einen der Listeneinträge hat. Dann sollte man sich freuen und die Sache wieder durchstreichen: Man hat vermieden etwas zu machen, das einem eigentlich gar nicht wichtig war. Zeitverschwendung wurde erfolgreich aufgehalten. 😀

So. Jetzt habe ich erfolgreich vermieden meine Meinung zur Maximallänge einer Freizeit-Queue abzugeben. In meinen Augen funktioniert das nur nach einem etwas komplizierteren Prinzip: Zuerst überlegt man sich die Dauer der einzelnen Dinge, die man aufgenommen hat. Manche brauchen nur eine halbe Stunde, andere einen ganzen Tag. Und dann vergleicht man das mit einer Schätzung, wie viel Freizeit man überhaupt in der nächsten Woche hat. Sobald die Schlange länger als eine Woche ist, sollte man einfach nichts neues mehr aufnehmen, bis sie wieder etwas kürzer geworden ist. Außerdem sollte noch Platz für ein bisschen Spontanität bleiben, oder? Erst dadurch wird das Leben doch so richtig lebenswert.

Und dann überträgt man dieses wunderbare System auf andere Aspekte seines Lebens, die es auch mal gebrauchen könnten. Zum Beispiel Projekte: Hier darf erst dann das nächste angefangen werden, wenn das aktuelle Projekt abgeschlossen ist. Vorher darf man neue Ideen lediglich an die Schlange anhängen, wo sie etwas garen und eventuell sogar wieder heraus genommen werden werden. Und das ist genau richtig so: Wer mehr als ein Projekt gleichzeitig verfolgt, kann keinem von ihnen die Aufmerksamkeit schenken, die sie verdienen. Die einzige Ausnahme, wann man ein neues Projekt anfangen darf, obwohl das alte noch nicht abgeschlossen ist, ist, wenn dieses alte Projekt offiziell auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Vielleicht weil man auf eine längerfristige Verzögerung warten muss.

Aber das sind vorerst nur Zukunftsträume. Zuerst muss die Freizeit-Queue erfolgreich ins Leben gerufen werden, dann darf sie erweitert werden.

Wenn man das Kaninchenloch hinunter rennt

Manchmal stolpert man im Leben über Dinge, die man unglaublich faszinierend findet, von denen man sich kaum noch lösen kann. Manchmal sträubt man sich dagegen, versucht es zu vermeiden und installiert Systeme in seinem Leben, um es nicht noch einmal zu machen. Zum Beispiel weil man von jeder neuen Serie sofort in ihre Welt hineingezogen wird, und das darauf folgende Suchtverhalten unterbinden möchte.
Manchmal will man das aber weiter verfolgen, über das man da gestolpert ist. Vermutlich, weil das mit den eigenen Werten übereinstimmt, weil man wichtige Fähigkeiten dabei lernen kann. Dann tut sich wieder das Kaninchenloch vor dir auf, aus dem du eben noch krampfhaft heraus-klettern wolltest, und dieses mal rennst du geradezu hinein, stürzt dich Kopfüber hinunter. Mal sehen, was es hier alles zu entdecken gibt.

im Kaninchenloch

Oben hast du vielleicht noch einen sehr weiten Blick gehabt, jetzt bleibt dir gar nichts anderes übrig, als dich auf die Tunnel vor dir zu konzentrieren. Sobald du so tief eingetaucht bist, spielt nichts anderes mehr eine Rolle, du erlebst Flow und die Zeit vergeht schneller und langsamer zugleich. Du beschäftigst dich hoch konzentriert mit dem Thema vor deiner Nase und nimmst es mit allen Sinnen auf.

Vielleicht ist es ein total faszinierendes Buch, das dich genauso in seinen Bann zieht, wie die oben beschriebenen Serien. Vielleicht ein neuer Wissensbereich, von dem du schon immer gespürt hast, dass er doch eigentlich existieren müsste. Oder vielleicht auch ein einfacher Einstieg in eine Fähigkeit, die du schon immer meistern wolltest. Was genau es ist, ist eigentlich egal. Du wirst eine Menge lernen können, über die Romanwelt, den Wissensbereich, die Fähigkeit – und wenn du aufmerksam bist, auch über dich selbst und alles andere, was auch noch eine Ebene dahinter liegt.

Nutze die Gelegenheit, dass du so ein wunderbares Buch gefunden hast, und denke in den Pausen darüber nach, was es so gut macht. Wie kannst du das imitieren? Wie findest du noch mehr Bücher mit diesen Eigenschaften? Nutze die Gelegenheit, um mehr Informationen darüber zu sammeln, was dich anspricht, was dich fasziniert, worin du dich stundenlang verlieren kannst. Das sind doch die Dinge, die du in deinem Leben besonders erstreben und anreichern solltest. Nutze die Gelegenheit, um die besten Lern-Strategien zu trainieren. Und so weiter.
Außerdem kannst du vielleicht erkennen, wie du das Kaninchenloch gefunden hast, und daraus lernen, wie du soetwas erneut finden kannst. Dann kannst du immer wieder neue Kaninchenlöcher auftun, wenn dein Leben zu langweilig wird.

Aber ganz egal, ob du diese ganzen Dinge auch noch beachtest oder nicht, ein solches Erlebnis, wo man in ein Kaninchenloch hinein-stürzt, ja geradezu hinein-rennt, ist wirklich faszinieren. Es hat aber auch eine Schattenseite:

wird dein restliches Leben ausgeblendet

Im Kaninchenloch wird dein ganzes restliches Leben ausgeblendet. Du weißt nicht mehr, dass du eigentlich etwas essen solltest oder dass du später noch eine Verabredung hast. Du vergisst völlig dich um den Haushalt zu kümmern, einzukaufen oder all die anderen Dinge zu machen, die du normalerweise auch noch in deinem Leben machen würdest.

Und das ist offensichtlich nicht optimal.

Aber was willst du dagegen machen? Sobald du ein Kaninchenloch verspürst, einfach wegrennen? Das funktioniert ja schon bei denen, die du gar nicht betreten willst, nicht wirklich und dieses mal ist es sogar auch noch schade. Willst du dich wirklich um diese tolle Erfahrung bringen?

Das einzige was hilft ist jeden einzelnen Tag eine „First-Things-First“-Strategie zu verfolgen und zusätzlich auch noch die Zeit zu beschränken, die man in dem Kaninchenloch verbringen darf. Keine Sorge, das kann immer noch ziemlich viel sein.

Glücklicherweise ist unser Kaninchenloch ja nur eine Metapher und du kannst dich sozusagen heraus-teleportieren, wenn du dich um etwas anderes kümmern musst/willst. Dein Verstand wird natürlich noch eine Weile darin zurückbleiben und du kannst dich in Gedanken kaum von dieser faszinierenden Sache lösen. Also musst du dich stark konzentrieren, wo auch immer das nötig ist, bis die Nachwirkungen deines Aufenthalts im Kaninchenloch abgeklungen sind. Aber das schaffst du!

Zuerst zur Zeitbeschränkung: Addiere doch mal Schlaf, Arbeit und alle anderen verpflichtenden Aktivitäten des Tages auf. Wie viel bleibt dann noch übrig? Willst du das alles dem Kaninchenloch widmen? Stelle dir einen Wecker, bevor du es betrittst, mit der Zeit, die du dir vorgenommen hast, und erlaube dir selbst nicht ihn zu ignorieren. Solltest du dann also schon relativ früh am Tag ein Kaninchenloch betreten haben, kannst du es rechtzeitig verlassen, um auch noch all die anderen Sachen machen zu können.

First-Things-First

Was sind die wichtigsten Aspekte deines täglichen Lebens? Ich bemühe mich zum Beispiel jeden Tag einen Artikel mit mehr als 1000 Wörtern zu schreiben, ausreichend Sport zu machen und ein paar Minuten der Reflexion zu widmen. Zusammen mit meiner Arbeit, die logischerweise eine hohe Priorität bekommen muss, sind das die Dinge, die ich zuerst mache. Egal, was ich sonst noch alles vorhabe, darum kümmere ich mich als erstes am Tag. Alles andere ist danach überhaupt erst erlaubt. (Mit der Ausnahme der abendlichen Reflexion. Die ist logischerweise abends das letzte was ich tue – theoretisch.)

Also was sind deine „First-Things“, die Dinge, die du als erstes machst, bevor irgendetwas anderes dran ist? Denk mal drüber nach, definiere sie ordentlich, und dann halte dich auch daran. Glaub mir dein Leben ist viel entspannter, wenn du alles schon gemacht hast, was du machen musst. Andernfalls trägst du immer so ein bisschen Druck mit dir herum („das, das und das muss ich ja auch noch heute machen“) und das wäre doch echt doof.

Darüber hinaus, sobald du diese zwei Strategien in deinem Leben verfolgst, sind Abzweigungen in das Kaninchenloch deiner Wahl absolut zu empfehlen. Das ist unglaublich faszinierend, du lernst eine Menge und jeder sollte gelegentlich eine solche Erfahrung machen: komplett in eine andere Welt, eine neue Fähigkeit oder was auch immer einzutauchen und nie wieder herauskommen zu wollen.

Wie tief geht das Kaninchenloch noch? Was finde ich hinter der nächsten Biegung? Kann ich mich bis zu anderen Kaninchenlöchern durchbuddeln, die ich in der Vergangenheit erkundet habe?

Wie gesagt, es ist unglaublich faszinierend und absolut zu empfehlen. Wenn du das nächste mal also eines findest: Kurzer Check, ob die Sicherheitsvorkehrungen noch in Takt sind, und schon geht es hinunter.

3 Verhaltensweisen bei Wohltätigkeit

Sobald es um irgendwelche Geschenke, Wohltätigkeit oder einfach nur Hilfe geht, treten 3 grundsätzlich verschiedene Verhaltensweisen auf, wie Menschen damit umgehen. Auf zwei gegenüberliegenden Enden eines Spektrums liegen die Geber und die Nehmer, die Philanthropen und die Egoisten. Die einen Geben, ohne jemals Bedingungen daran zu knüpfen oder etwas im Gegenzug zu erwarten. Sie freuen sich helfen zu können. Die anderen nehmen alles was sie kriegen können und behalten es für sich alleine.

Was glaubst du, wer ist erfolgreicher im Leben? Die Egoisten, die die Wohltätigkeit anderer ausnutzen, oder die Philanthropen, die mit Wohltätigkeit geradezu um sich werfen? Allgemeinwissen sagt, dass die Egoisten bis ganz nach oben aufsteigen, die höchsten Positionen innehaben und generell mehr Erfolg im Leben haben. Sie haben ihn sich eben genommen, während die anderen zu Boden getrampelt wurden. Aber sollten wir jetzt alle Egoisten werden, weil wir ja erfolgreich sein können?

Oder können wir trotzdem an unserem Grundsatz des Ausgleichs festhalten und dabei erfolgreich werden? Das ist übrigens die dritte Verhaltensweise: Nach Ausgleich streben. Wenn du etwas gibst, eine Gegenleistung verlangen. Wenn du etwas erhältst, etwas im Gegenzug zurückgeben. Am besten ist das bei Geschenken zu beobachten: „Oh nein, jetzt muss ich ja etwas zurück-schenken.“
Jedenfalls bemüht man sich hierbei, darum weder so zu wirken, als ob man andere ausnutzt, indem man zeitnah auch etwas zurück-gibt, noch sich ausnutzen zu lassen.

Und hier lässt sich auch schon das erste Problem für die Egoisten erkennen: Sobald die Ausgleicher in seinem Umfeld erkennen, welches Spiel er da gerade eigentlich spielt, sinkt er in ihrem Ansehen und sie erzählen das auch anderen. Dann muss er schleunigst das Umfeld wechseln und diese Beziehungen als verbrannte Brücken zurücklassen (- mehr kann man ja eh nicht heraus-quetschen -), um genauso weitermachen zu können wie bisher.

Oder er ändert eben seine Strategie. Aber worauf? Die Ausgleicher kommen doch auch nicht wirklich voran, auch wenn sie sich alle bestehenden Beziehungen erhalten. Das ganze ausgleichen führt zu Stagnation, weil immer noch zu viele (soziale) Schulden offen sind, die beglichen werden wollen, bevor man voranschreiten könnte. Wir alle brauchen also eine noch bessere Option.

Wie sieht es da denn mit Gebern, Philanthropen aus, die bedingungslos Wohltätigkeit verschenken, also ohne (später) etwas dafür zu verlangen, wie es die Ausgleicher immer tun würden. Werden sie nicht einfach überrannt, während die Egoisten nach vorne rennen? Am Anfang vielleicht schon. Aber dann beginnt ihr Geben seine wahre Macht zu entfalten. Die Geber sind nämlich die wirklich erfolgreichen im Leben. Ihr Start ist vielleicht etwas langsamer, weil sie dafür sorgen, dass die anderen auch mitgenommen werden, aber dann geht es umso steiler hinauf.

Alle anderen wollen schließlich auch, dass sie Erfolg haben. Sie helfen freiwillig mit. Vielleicht weil ihnen vorher schon mal geholfen wurde und sie das zurückgeben wollen, vielleicht weil Erfolg für den Geber letztendlich Erfolg für alle bedeutet. Sie alle werden schließlich etwas davon abbekommen, davon profitieren können diese Person zu kennen. Und der Geber kann ihnen sogar helfen, ohne dabei irgendetwas zu verlieren:

Ab dem zweiten Gefallen den man tut, kann das nämlich darin bestehen, dass man jemand dritten, der sowieso gerne etwas zurückgeben möchte bittet, dem Anfragenden zu helfen. So werden Verbindungen erschaffen. Die erste Person kann etwas zurückgeben, wobei sie wieder jemand anderem hilft. Und der Geber hat Zeit noch mehr Leuten zu helfen, noch mehr Verbindungen zu erschaffen.

Und dadurch entsteht dann ein ganzes Netz von Menschen, in dem die Norm das Geben ist. Alle darin haben bereits Wohltätigkeit erfahren und geben sie gerne an andere, die gerade Hilfe brauchen. Sogar Neulingen wird sie bereitwillig geschenkt. Später werden sie schließlich genauso eifrig zurückgeben. Geben ist nämlich ansteckend. All die Ausgleicher befinden sich auf einer ziemlich beweglichen Position. In der Gegenwart eines Egoisten, werden sie selbst egoistischer. In der Gegenwart eines Philanthropen werden sie selbst wohltätiger. Geben verbreitet sich wie ein Virus in diesem immer größer werdenden Netzwerk all der Menschen, denen der Geber bereits geholfen hat, und die sich jetzt auch untereinander kennen. Nur das es kein Virus ist. Es ist das beste, was all diesen Leuten jemals passieren konnte.

Nicht nur fühlt sich bedingungsloses Geben einfach toll an. Nicht nur ist es extrem praktisch eine Gruppe Menschen zu kennen, die dir bereitwillig helfen werden, wenn du das brauchst. Sondern man hat Teil an beeindruckenden Synergie-Effekten. Wenn zwei Geber aufeinander treffen entsteht eine transformationale Beziehung, die alles transaktionale in den Schatten stellt, was Ausgleicher aus ihrem eigenen Leben kennen. Und in diesem sozialen Umfeld des Wirkungskreises des Gebers, bist du selbst auch ein Geber. Du hast eine Chance auf solche Situationen. Vielleicht verliebst du dich sogar so in das Geben, dass du es bald auch überall sonst bist.

Genauer gesagt: Werde selbst Geber aus Prinzip. Starte deinen eigenen Zirkel der Leute, denen du allen schon geholfen hast, die du miteinander verbinden kannst, wenn jemand Hilfe brauchst, die dann selbst bereitwillig Wohltätigkeit vorausschicken, in dem Wissen, dass die Person selbstständig viel mehr zurückgeben wird, als sie erhalten hat. (Weil sie es bei sich selbst genauso beobachtet haben.)

Und dann verbinde die beiden Netzwerke miteinander. Dein Einfluss, deine Reichweite, die Menge der Menschen, die wollen, dass du Erfolg hast, hat sich gerade verdoppelt. Das ist doch eine unglaubliche Macht oder? Sei du also der Geber, der all die Ausgleicher in deinem Leben mit diesem Konzept in Berührung bringt. Keine Sorge, Egoisten werden ganz von alleine ausgeschlossen, nachdem sie die ersten paar Male Wohltätigkeit abgeschöpft haben. (Falls sie überhaupt glauben, dass diese Gemeinschaft überhaupt existiert. Immerhin steht es ja komplett entgegengesetzt zu all den Werten, die sie aus ihrem eigenen Verhalten kennen.)

Und schon hast du Erfolg. Einfach nur weil du anderen Menschen hilfst. Anstatt verbrannten Brücken lässt du jetzt positive, latente Beziehungen zurück, die sich sogar freuen werden, wenn du dich mal wieder meldest, vielleicht weil du etwas brauchst, vermutlich weil du jemand anderem helfen möchtest, indem du ihn mit dieser Person in Verbindung setzt.

Ist das nicht wunderbar? Ich selbst strebe auf jeden Fall danach ein Geber zu sein. Wie sieht es mit dir aus? Handelst du bereits als Geber, verteilst Wohltätigkeit in der Welt?

Bist du mit deiner Familie befreundet?

Ab einem gewissen Alter ist das letztendlich nur noch eine Frage der persönlichen Reife, ob du mit deiner Familie befreundet bist. Als Kind hast du hier natürlich noch nicht so viel mitzureden. Und wenn du noch klein bist, sind deine Eltern und großen Geschwister automatisch deine Helden. Aber später ändert sich das vielleicht, oder? Dann bist du eventuell so genervt von jemandem (und er von dir), dass das einen Keil zwischen euch treibt, der eventuell für immer bestehen bleiben wird. Und das wäre doch wirklich schade, oder? Du kriegst hier doch eine Reihe an Freunden praktisch geschenkt. Nimm es auch an das Geschenk, denn ansonsten trägst du eben nicht so positive Beziehungen mit dir herum. Du kannst diese Menschen jetzt nicht mehr aus deinem Leben entfernen, ohne dass das Spuren hinterlässt. Sie waren viel zu lange zentral daran beteiligt.

Aber wie geht das, mit seinen Geschwistern und Eltern befreundet zu sein? Ist es überhaupt notwendig oder kann man sie auch einfach ignorieren? Was, wenn man sich unwiderruflich zerstreitet, weil man mit den Ansichten des anderen überhaupt nicht klarkommen kann? Das alles sind doch weit verbreitete Situationen, die für alle relevant sind. Selbst als Einzelkind, hast du immer noch vermutlich zwei Eltern, mit denen du befreundet sein könntest, sobald du alt genug bist. Bist du es schon?

Mit deiner Familie anfreunden

Du kannst wie gesagt diese Menschen nie wieder spurlos aus deinem Leben entfernen. Selbst wenn du ganz weit weg ziehst, bleibt immer noch die Erinnerung daran zurück, wie ihr auseinander gegangen seid. Ist das eine positive Erinnerung und du denkst gerne an daheim, auch wenn du niemals mehr zurückgehen wirst? Oder zieht dich diese Erinnerung herunter, zurück in die Gefühle von Ärger und Frustration, wegen denen du ursprünglich gegangen bist? Selbst wenn man unbedingt gehen muss, weil man es sonst nicht mehr aushält, ist zumindest eine neutrale Situation zum Abschied das Mindeste, was du erstreben solltest.

Wenn du aber in ihrer physikalischen Nähe bleibst, wäre es doch super, wenn du anstatt nur negatives zu verhindern, vielleicht sogar eine positive Beziehung haben kannst. Du bekommst diese Menschen in deinem Leben ja praktisch geschenkt. Es ist deine Aufgabe die schönsten Freundschaften daraus zu machen! Und selbst wenn sie nicht in deinen inneren Zirkel kommen, kannst du dann doch immer wieder eine schöne Zeit mit ihnen verbringen. Also warum nicht? Das ist doch ziemlich leicht.

Freundschaften bilden

Welche Standards setzt du an Menschen, die sich mit dir anfreunden wollen? Wenn du wie die meisten bist, ziemlich niedrige. Diese Hürde schafft doch sicherlich auch deine Familie. Selbst wenn du tatsächlich extrem wählerisch dabei bist, mit welchen Menschen du deine Zeit verbringen willst, kannst du das klar an sie kommunizieren, und dann schaffen sie vielleicht auch die Kriterien zu erfüllen. Eventuell willst du ihnen ja effektiv sogar ein bisschen mehr Luft lassen, weil sie ja einen Bonus bekommen, weil du sie gern hast. (Ganz tief drinnen, tust du das bestimmt. Außer sie haben dich in irgendeiner Hinsicht missbraucht.)

Die Voraussetzungen bestehen also. Das einzige was jetzt noch fehlt ist der beidseitige Wille, ein bisschen Zeit und ein gemeinsames Interesse. Trifft das alles zusammen, werdet ihr auch in ein Gespräch kommen und ganz von alleine eine freundschaftliche Bindung aufbauen. Genauso funktioniert es doch auch mit all deinen anderen Freunden.

Wenn ihr also aktuell keine Freunde seid, vielleicht weil ihr euch zerstritten habt, vielleicht weil ihr es noch nie wart, dann geh auf die Suche nach diesem gemeinsamen Interesse. Mache eine Priorität daraus, dieses Interesse gemeinsam mit dem Familienmitglied der Stunde zu verfolgen. Ihr werdet sicherlich Freunde werden, es muss ja keine enge Freundschaft daraus entstehen, falls ihr komplett verschiedene Ansichten habt.

Sogar mit deinen Eltern kannst du dich anfreunden, sobald du alt genug bist, dass sie nicht mehr ausschließlich die Rolle der Eltern übernehmen müssen. Das wirst du merken, wenn dir immer mehr die Verantwortung für dich selbst übertragen wird. Bzw, weißt du noch damals? Man hat sich schon darüber gefreut.

Besonders ob man mit seinen Eltern befreundet ist oder nicht, ist ein großes Zeichen persönlicher Reife. Bist du schon mit deinen Eltern befreundet? Wie sieht es mit deiner übrigen Familie aus? (Deine Großfamilie ist übrigens nochmal etwas anderes, je nachdem, wie oft du sie siehst, gehören sie entweder in die Kategorie der Menschen, mit denen du dich anfreunden solltest, oder liegen doch daneben, wo sich auch alle anderen Menschen in deinem Leben aufhalten: Du kannst dich mit ihnen anfreunden oder nicht, je nachdem, wie viel du mit ihnen gemeinsam hast. Das bleibt ganz alleine dir überlassen.)

Es ist nie zu spät

..außer jemand ist tot. Da hast du dann leider deine Chance verpasst dich mit ihm anzufreunden. Nimm es als Anlass, deine Versäumnisse bei deiner übrigen Familie nachzuholen. Selbst wenn du schon eine Weile woanders lebst, ist es nie zu spät noch eine Freundschaft zwischen euch zu finden. Aber warte trotzdem nicht zu lange. Solange sie ein regelmäßiger Teil deines Lebens sind, hast du das meiste von einer Freundschaft. Wenn sie woanders hingehen (oder du), sind sie dafür plötzlich viel zu weit weg. Dann verpasst du deine Chance. Und das wäre doch schade oder?

beginne trotzdem jetzt

Denke an deine Familie. Wofür schätzt du sie? Was machst du gerne mit ihnen? Wo liegen gemeinsame Interessen, die ihr aber noch nicht gemeinsam verfolgt? Bist du schon mit jedem von ihnen befreundet, zumindest ein bisschen?

Solche Fragen geben dir Anstöße für dein nächstes Handeln. Ob du das dann tatsächlich auch verfolgst, kann ich leider nicht beeinflussen, aber ich hoffe es sehr. Freundschaften mit den Menschen, die sowieso ein Teil deines Lebens sind, können sehr erfüllen sein. (Und sind eindeutig die beste Lösung für alle. Alle Alternativen sind nun mal negativer und das kann man sich auch einfach sparen.)

Also, auf geht’s! Bemühe dich um Freundschaften mit deiner Familie und warte nicht zu lange auf dich. Sie halten vielleicht auch zu dir, ohne dass ihr befreundet seid, aber ist das ein Grund darauf zu verzichten? Jeder der ein Teil deines Lebens ist, kann das doch auch auf eine positive Art und Weise sein. Du kannst das sicherlich erreichen!